Sehenswertes
| Die Frauenkirche – ein Juwel
des Rokoko von Walter Grabert M.A., Stadtarchivar
und Museumsleiter
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Beim großen Stadtbrand von 1735 wurde der gotische
Vorgängerbau der heutigen Kirche bis auf den unteren Teil des Turmes
zerstört. Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation der Stadt
entschloß sich der Magistrat der Stadt am 4. Juni 1736, den in Landsberg
am Lech ansässigen Baumeister Dominikus Zimmermann mit dem Neubau zu
beauftragen. 1741 waren Schiff und Chor fertiggestellt; die Ausgestaltung
zog sich wegen fehlender Geldmittel und der Wirren des österreichischen
Erbfolgekrieges noch viele Jahre hin. Ab 1757 wurde wieder an der Ausstattung
gearbeitet, und 1780 erfolgte die endgültige Weihe. Beim Grundriß hat man ein Rechteck mit leicht nach außen gewölbten Längsseiten und nach innen gerundeten Gebäudeecken vor sich. Das bewirkt, daß der Betrachter im Inneren den Eindruck eines Ovals erhält. Die relativ flach gewölbte Decke ist eine Holzschale, die an einer aufwendigen Dachstuhlkonstruktion hängt. Das Hauptbild (Rosenkranzgeheimnisse und Szenen aus dem Marienleben) wurde 1741 von dem aus Söflingen (bei Ulm) stammenden und nach Günzburg zugezogenen Maler Anton Enderle in Freskotechnik geschaffen. Interessant und auch Spiegel des damaligen Weltbildes sind die Figurengruppen jeweils links und rechts der beiden Brunnenschalen (Gnadenquellen). Sie verkörpern die seinerzeit bekannten vier Erdteile Europa (Frau mit Kaiserkrone, Soldat mit Marienmonogramm auf dem Schild, weißes Pferd), Asien (weihrauchspendende Frau, Mann in orientalischer Kleidung, Kamel), Amerika (Frau mit Federkrone, Begleitfigur mit Schirm, Krokodil) und Afrika (dunkelhäutige Frau mit Turban, Elefant). Ein historisches Ereignis zeigt ein Bild, das sich am Südende der Querachse an das Hauptbild anschließt: Die Seeschlacht von Lepanto, in der am 7. Oktober 1571 eine venezianisch-spanische Flotte unter Juan d‘ Austria die Türken besiegte. Das Dreikönigsbild des Hauptalters ist ein Werk von Paul Ignaz Viola, Mitglied einer Malerfamilie, die Anfang des 18. Jahrhunderts aus Italien nach Günzburg zuzog und durch alle Generationen bis heute im künstlerischen Bereich tätig war und ist. Der Glasschrein am linken Seitenaltar birgt einen Reliquienleib der Märtyrerin Isidora. Die Empore an der Westseite dient den Englischen Fräulein als Hauskapelle. Sie steht durch einen Übergang im 1. Obergeschoß (von außen sichtbar) direkt mit dem benachbarten Klostergebäude in Verbindung. |
| Die Günzburger Frauenkirche steht im Werk
Dominikus Zimmermanns zwischen der Wallfahrtskirche Steinhausen (bei Biberach)
und der Wieskirche (bei Steingaden). Beim Vergleich architektonischer Lösungen
und Ausstattungsdetails stellt man Parallelen, aber auch Weiterentwicklungen
fest. So ist z. B. der doppelte Choraltar der Frauenkirche eine Vorstufe
für den Altar der Wieskirche. Initiiert von einem rührigen Förderverein,
der eine höchst ansehnliche Spendensumme beibrachte, wurde die Kirche
von 1993 bis 2002 mit einem Kostenaufwand von ca. € 5,5 Mio. saniert,
und sie zeigt heute ein duftig-leichtes Erscheinungsbild, das seinesgleichen
sucht. |
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Öffnungszeiten: Literatur: |
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